Erlangen. Wenn Mila von ihrer Zeit im Malteser-Projekt „Qualifizierung und Beschäftigung“ spricht, dann leuchten ihre Augen.
„Ich kam hierher und konnte kein Wort Deutsch. Heute habe ich das Sprachniveau B2 und lerne bereits medizinisches Deutsch für das Level C1“, erzählt die 36-jährige Ukrainerin stolz. 2022 war sie hochschwanger aus ihrer Heimat geflohen, strandete zunächst bei einer Freundin in Erlangen – und fand über die Malteser nicht nur Anschluss, sondern auch neuen Lebensmut. „MQB war für mich sehr wichtig, vor allem, was das Lernen der Sprache betrifft. Ich habe so viel über die deutsche Kultur gelernt, nützliche Infos für meine Bewerbungsmappe bekommen, meinen Lebenslauf erstellt und sogar einen Erste-Hilfe-Kurs gemacht“, sagt sie. Besonders dankbar ist Mila ihrer Lehrerin Solveig Anani: „Sie war streng, aber geduldig und menschlich – das hat uns sehr motiviert!“
So wie Mila haben in den vergangenen knapp drei Jahren rund 60 Ukrainerinnen und Ukrainer am Projekt „Malteser Qualifizierung und Beschäftigung“ (kurz MQB) teilgenommen. Ende Dezember wird die fünfte und letzte Gruppe das erste Modul abschließen – dann endet das von der Bundesregierung geförderte Projekt. Ein Ende, das vielen Teilnehmenden und Verantwortlichen schwerfällt. Denn die Bilanz zeigt, wie wertvoll die Initiative war – und wie sehr sie Leben verändert hat.
Sprache, Bildung, Integration – Schritt für Schritt
Das Projekt war in zwei Module gegliedert. Im Modul 1 standen Sprach- und Kulturunterricht, IT-Kurse, Bewerbungstraining und Erste Hilfe auf dem Programm – Kompetenzen, die das Ankommen im Alltag erleichtern. Modul 2 vermittelte berufliche Kenntnisse, vor allem für Tätigkeiten im medizinischen und pflegerischen Bereich. „Unser Ziel war es, die Menschen fit für den Arbeitsmarkt zu machen und ihnen so ein Stück Unabhängigkeit zu schenken“, erklärt Projektleiterin Yulia Shafran. Die 36-Jährige aus Odessa weiß selbst, wie schwer ein Neubeginn im Ausland ist: „Viele kamen zu uns verloren, erschöpft, voller Zweifel und Sorgen. Heute sehe ich Menschen, die mutig sprechen, lachen, Freundschaften geschlossen haben und wieder an sich glauben. Das erfüllt mich mit tiefer Bewunderung und Dankbarkeit.“
Aus den fünf MQB-Gruppen gingen zahlreiche Erfolgsgeschichten hervor: Fünf Teilnehmende absolvierten die Weiterbildung zur Betreuungskraft. Vier Frauen haben in diesem Jahr erfolgreich ihre Ausbildung begonnen – als Medizinische Fachangestellte, als Pflegekraft im Waldkrankenhaus der Malteser und in der generalistischen Pflege im Malteser Marienhospital. Ein weiterer Teilnehmer fand eine Anstellung im Malteser Fahrdienst, andere engagieren sich ehrenamtlich im Seniorennachbarschaftsbüro Erlangen-St. Sebaldus. Darüber hinaus fanden Teilnehmende Ausbildungen, Praktika und Arbeitsstellen und sogar zwei Studienplätze in unterschiedlichen Fachrichtungen und Bereichen.
Eine Brücke in ein neues Leben
Doch über die messbaren Erfolge hinaus hat das Projekt vor allem eines bewirkt: Es hat Brücken gebaut – zwischen Menschen, Sprachen und Kulturen. „Dieses Projekt stärkt nicht nur die Sprachkompetenz, sondern auch das Selbstvertrauen. Viele sind über sich hinausgewachsen“, betont Shafran. Auch Mila spürt das. Früher habe sie sich kaum getraut, in der Apotheke oder im Supermarkt etwas zu sagen. „Ich war so unsicher. Heute rede ich selbstbewusst mit anderen – auf Deutsch!“, erzählt sie lachend. Dass sie ihre Qualifikation als Apothekerin in Deutschland erst nach einer Fachsprachprüfung und Approbation wieder anerkennen lassen kann, nimmt sie gelassen. „Ich habe gelernt, geduldig zu sein. Und ich weiß jetzt, dass es hier Menschen gibt, die helfen.“
Ein Projekt, das Spuren hinterlässt
Was mit großer Leidenschaft begann, hat in drei Jahren viel bewirkt. „Am Anfang hatten wir nichts weiter als eine gute Idee und den Glauben daran, dass sie etwas bewegen kann“, erinnert sich Yulia Shafran. „Heute sehen wir, wie Menschen selbstbewusst geworden sind, neue Wege gehen, sich engagieren. Das ist unbezahlbar.“ Dass die Förderung nun ausläuft, bedauern die Malteser sehr. „Wenn Teilnehmende bei den Maltesern bleiben, ist das schön. Aber in erster Linie ging es uns darum, Menschen zu helfen – und das ist uns gelungen“, sagt Shafran. Die Nachfrage nach weiteren Kursen sei groß, doch ohne finanzielle Unterstützung sei eine Fortführung derzeit nicht möglich.
Für Mila und viele andere bleibt MQB ein Wendepunkt im Leben – ein Ort des Lernens, des Wachsens, des Ankommens. „Ich bin den Maltesern unendlich dankbar. Sie haben mir gezeigt, dass man immer neu anfangen kann – egal, was hinter einem liegt.“
Fotos: YS/Malteser bzw. Adrian Grodel/Malteser