Außerordentliches Integrationsprojekt in Erlangen

Abschlussfeier Projekt MBQ Erlangen
Gruppenfoto zum Abschluss: Die Teilnehmenden zeigen stolz ihre Bescheinigungen. In der Mitte Diözesanleiter Christoph von Grafenstein und Projektleiterin Yulia Shafran (daneben).
MBQ Projekt: Besuch auf dem Weihnachtsmarkt
Auch gemeinsame Unternehmungen kommen beim MQB-Projekt nicht zu kurz: Im Dezember 2023 besuchten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer den Bamberger Weihnachtsmarkt.
Stolz auf das neue Zertifikat
Svitlana Shchohol zeigt stolz ihr Zertifikat als Betreuungskraft

Das Qualifizierungs- und Beschäftigungsprojekt für ukrainische Geflüchtete (MQB) läuft seit etwas mehr als einem Jahr – eine Zwischenbilanz.

ERLANGEN. Die Flucht vor dem Krieg in ihrer Heimat war für Svitlana Shchohol auch eine Flucht in die Einsamkeit: Als die 42-jährige Ukrainerin im März 2022 mit ihren zwei Kindern nach Deutschland kam, war sie völlig allein. Keine Bekannten, keine Verwandten, keine Freunde. „Völlig hilflos in einem fremden Land, kein Wort Deutsch, komplett auf sich alleine gestellt – das zieht dich runter“, sagt Shchohol rückblickend. Depression pur. Doch plötzlich schlug das Glück ganz unerwartet zu: In Erlangen wurde die Frau auf ein brandneues integratives Malteser Projekt aufmerksam, das genau auf Menschen wie Svitlana zugeschnitten ist. Sie fand Unterstützung, Freunde und wieder Vertrauen in ihre Fähigkeiten. „Ich hatte auf einmal den Wunsch weiterzumachen, etwas aufzubauen. Und mit Hilfe des Projekts habe ich mich neu qualifiziert und einen Job gefunden, der mir gefällt.“

Ein Jahr, zwei Module
Das Projekt „Malteser Qualifizierung und Beschäftigung“ für ukrainische Geflüchtete, kurz MQB, bietet ein umfassendes Paket aus Aus- und Fortbildungen sowie Praktika an. Ziel ist es, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer fit für den Arbeitsmarkt zu machen, damit sie mit einem kleinen eigenen Einkommen in Deutschland ein Stück unabhängiger werden. „Das Projekt ist in zwei halbjährige Module gegliedert“, erklärt Koordinatorin Yulia Shafran. Das erste Modul vermittelt Kompetenzen, die den Alltag hierzulande erleichtern sollen oder auch bei einer Rückkehr in die Heimat nützlich sein können. Dazu gehören Sprach- und Kulturunterricht, Bewerbungstraining, IT-Grundkenntnisse und Erste-Hilfe-Kurse. Im entscheidenden Modul 2 geht es dann um das Erlernen von beruflichem Fachwissen, in erster Linie aus dem medizinischen und pflegerischen Bereich. „Natürlich mit dem Hintergedanken, möglichst viele Teilnehmenden bei den Maltesern unterbringen zu können“, betont Shafran.

Die 35-jährige Projektleiterin aus Odessa kam im Mai 2013 nach Deutschland, hat hier studiert und als Führungskraft in der Modebranche gearbeitet. Sie ist vielfältig vernetzt und zentrale Ansprechpartnerin für die Ukrainerinnen und Ukrainer im Projekt. „Nach dem Ausbruch des Krieges habe ich mich entschieden, meinen festen Arbeitsplatz aufzugeben. Ich weiß, was es heißt, in einem fremden Land ohne Unterstützung neu anfangen zu müssen. Also war ich auf der Suche nach einer Stelle, wo ich mit meinem Wissen meinen Landsleuten helfen konnte“, erzählt Yulia Shafran.

Das Konzept hat alle überzeugt
Und dann entdeckte sie das Weiterbildungsprojekt der Malteser in Erlangen. „Ich dachte sofort: Diese Idee ist einfach brillant. Ich bin dabei!“ Dann kamen die Herausforderungen: keine Räume, keine Lehrer, keine Kooperationspartner. „Doch wir hatten ein gutes Konzept, das so überzeugend war, dass wir letztlich alle Hürden überspringen konnten“, freut sich Shafran. Alles wurde schnell vorbereitet und organisiert. Die Ukrainer, die sich nach der Flucht verwirrt und verloren fühlten – mit einer fremden Sprache, in einem neuen Land, mit einer anderen Kultur, ohne Arbeit, ohne Zuhause – erhielten von Mai 2023 an großartige Unterstützung durch das Malteser Projekt.

Nach etwas mehr als einem Jahr fällt die Bilanz mehr als positiv aus: 24 Geflüchtete hatten insgesamt am ersten Modul teilgenommen. Vier absolvieren aktuell das zweite. „Von diesen vieren haben drei Teilnehmerinnen den Abschluss gemacht und zwei eine Arbeit bekommen – als Betreuungskräfte im Malteserstift St. Elisabeth sowie im Malteser Marienhospital“, sagt Shafran. Die dritte Absolventin habe ein Jobangebot mit 19,5 Stunden bekommen, aber noch nicht angefangen. Ein Projekt-Teilnehmer wurde beim Malteser Fahrdienst eingestellt.

Großer Schritt in die Integration
Noch wichtiger ist, dass die geflüchteten Ukrainerinnen und Ukrainer gestärkter und selbstbewusster aus dem Projekt hervorgingen – und somit einen großen Schritt in Richtung Integration gemacht haben. Wie Svitlana Shchohol. „Früher habe ich mich geschämt in der Apotheke oder im Laden, etwas zu fragen und zu kaufen. Erst als alle Leute weg waren, habe ich mich getraut zu reden und zu sagen, was ich brauche. Heute ist das anders“, sagt Shchohol. Was sie mit allen anderen Teilnehmern des Projekts gemeinsam hat, ist die große Dankbarkeit, die sie empfindet – den Maltesern, aber auch den Deutschen gegenüber. „Dieses Land ist für mich zu einem Vorbild geworden. Hier gibt es Menschen, die in schwierigen Zeiten immer helfen werden. Meine Kinder und ich möchten nun von dieser großen Hilfsbereitschaft etwas zurückgeben!“ Einige der Ukrainerinnen aus dem MQB-Projekt machen dies bereits ganz konkret: Sie engagieren sich ehrenamtlich im Malteser Seniorennachbarschaftsbüro des Erlanger Stadtteils St. Sebaldus.

 

Text: Adrian Grodel
Fotos: Malteser


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