Ellwangen-Schönenberg. Wehmut liegt dieses Jahr über der Krankenwoche der Malteser im Haus Schönenberg. Denn Pfarrer Roland Renz, der geistliche Leiter dieser 54. religiösen Freizeit für Menschen mit Behinderung, nimmt seinen Abschied. 16 Mal hat der Stuttgarter Obdachlosenseelsorger die Krankenwoche geleitet, die am Samstagvormittag zu Ende geht. „Die Krankenwoche wird fortbestehen“, erklärte Anton Baumann, ehrenamtlicher Geschäftsführer der Malteser in Ellwangen, und lud bereits für das nächste Jahr ein.
Anton Baumann dankte für die Spuren, die Roland Renz gelegt hat, und überreichte ihm die Malteser Dankplakette in Gold, einen Malteser Krug und eine Dankurkunde. Unterzeichnet ist die Urkunde von Karl Prinz zu Löwenstein, Geschäftsführender Vorstand der Malteser Hilfsdienst gGmbH in Köln. Und dieser lobte bei seinem Besuch am Dienstag zusammen mit dem Diözesangeschäftsführer der Malteser, Klaus Weber, und Diözesanleiter Karl-Eugen Erbgraf zu Neipperg die „ganz großartige Atmosphäre“ bei der Krankenwoche. „Ich bin ganz ergriffen“, sagte Prinz zu Löwenstein.
79 Teilnehmer und 45 Helfer
„Die Krankenwoche ist eine Eventwoche, die einen Vitaminstoß gibt fürs ganze Jahr“, beschreibt Andreas Marosi aus Friedrichshafen die Freizeit. Der 69-jährige Rollstuhlfahrer ist einer von 79 Teilnehmern aus dem ganzen süddeutschen Raum, die von 45 ehrenamtlichen Helfern der Malteser unter Leitung von Hildegard Herfort und Robert Sekler betreut werden. „Roland Renz ist eine Bereicherung für die Krankenwoche gewesen und hat Licht für die Teilnehmer gebracht“, sagt Marosi: „Und wenn einer Licht bringt, dann muss er entweder Elektriker sein oder Pfarrer. Und der Roland ist beides.“ Die Gemeinschaft ist Rita Burgemeister (57) aus Fachsenfeld wichtig, die stark Seh- und Gehbehinderte ist zum dritten Mal dabei, und trotz Krankheit ein zufriedener Mensch. Lange hatte sie Zweifel, ob sie zur Krankenwoche passt, bis ihr Mann sie überredete. „Mir gefällt es hier immer“, strahlt sie.
Das Programm spricht den jüngsten Teilnehmer, den 23-jährigen Spastiker Thomas Ziegler aus Stimpfach, genauso an wie die älteste Teilnehmerin, Maria Waldraff (98) aus Fellbach. Und es wird viel geboten: Auftritte der Musikvereine Rattstadt und Trachtenkapelle Pfahlheim, Musik und Einlagen von Egon Kuhn und Gerhard Gerstner, vom Duo Rettenmeier, vom Liederkranz Stödtlen, vom „singenden Polizist“ Helmut Argauer und vom Gesangsduo „Burgl & Hardl“, vom Rock’n’Roll-Club Neuler-Schwenningen und vom Kirchenchor Schönenberg, Basteln, Grillfest, Gottesdienste, Krankensalbung und Lichterprozession. Der Ellwanger Neupriester Matthias Frank (48), ein „Gewächs“ der Krankenwoche, der die nächsten beiden Jahre Vikar in Weingarten ist, feierte am Mittwoch in der Schönenbergkirche Nachprimiz. „Wir wünschen uns geschlossen, dass Matthias Frank Roland Renz’ Nachfolger wird“, spricht Doris Strahl (62) aus Bad Schussenried allen aus dem Herzen. Windkraft Uhl spendete für die Krankenwoche 500 Euro.
(Ipf- und Jagstzeitung, 01.08.2014)