Was geht in den Kindern nach dem Erdbeben vor?

Vergangene Woche habe ich mich mit unserer Psychotherapeutin besprochen und sie gebeten, aus ihrer Sicht die Reaktionen, Aussagen und Situationen der Kinder und Jugendlichen seit dem Erdbeben niederzuschreiben. Kurz darauf erhielt ich dann die gewünschten Unterlagen. Als ich diese Memos las, dachte ich: Sooft bin ich gefragt worden, was die Kinder empfunden haben während des Erdbebens und danach. Eingeteilt in drei Phasen habe ich die Memos der Psychotherapeutin übersetzt.

1. Phase vom 11. März (nach 14:46 Uhr) bis zum 18. März, mittags

Eine Oberschülerin ist so geschockt , dass sie nicht in der Lage ist, alleine nach draußen zu fliehen. Es braucht ca. eine Stunde bis sich die weinenden Grundschüler, die von der Schule abgeholt worden sind, beruhigen. Durch die ständigen Nachbeben suchen sie die Nähe der Erzieherinnen und weinen erneut.

„Es ist kalt“, wiederholt eine Oberschülerin, die sonst immer auf Distanz bedacht ist. Sie sucht plötzlich körperliche Nähe. Es dauert lange bis die Grundschüler einschlafen. Sie sind aufgeregt und ihr Gesichtsausdruck und ihre Körperverfassung sind verhärtet.
Die Oberschüler können die ganze Nacht nicht schlafen und verweilen draußen am Kohlenfeuer in der Nähe der wachenden Mitarbeiter. Während der Nacht weinen die Grund- und Mittelschüler.

Eine Mittelschülerin will sich überhaupt nicht mehr von der Psychotherapeutin trennen. Die Kinder suchen Halt an den Wänden und anderen festen Gegenständen.

Die Evakuierung aus dem Haus in die Turnhalle zwingt zum gemeinsamen Leben auf engem Raum. Man sieht: Es ist eine Stresssituation; keine Energie, ständig behalten wir die Umwelt im Auge, besonders Liebgewonnenes möchten selbst ältere Kinder nicht loslassen. Der Unmut über die Evakuierung wird laut, Gereiztheit ist zu spüren. Nachts können viele Kinder nicht schlafen; manche verkriechen sich im Schlafsack. Schaut man zur Decke hinauf, sieht man die Lampe, die sich beim nächsten Beben lösen kann.

Die Stimmungen der Kinder sind von Angst geprägt, manche völlig irritierend: „Lustig“ und „Ich war total froh.“ Meist aber klagen die Mädchen und Jungen über Bauchweh und Kopfschmerzen. Sobald die Erzieherin sich entfernt, wird ein Grundschüler böse.

Am 18. März, der Tag, an dem wir in das Haus und die Gruppen zurückkehren, sagt ein Grundschüler: „Ich will nicht in die Gruppe zurück. Wenn wieder Beben kommen, gehen wieder die Glasscheiben kaputt.“ Die Turnhalle hat Sicherheit vermittelt. Für alle Altersstufen lässt sich festhalten: Wohin auch immer es geht, die Kinder möchten nicht alleine gehen.

Fortsetzung folgt!

Ihre Sr. Caelina


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