Glauben bezeugen im Kollegenkreis

Grafik zu Status G - Glaube(n) unter Blaulicht

Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Rettungsdienst,

in den bisherigen Briefen, die Sie von uns erhalten haben, ging es viel um die Patientinnen und Patienten. In diesem Brief soll es um die Kollegen gehen, aber nicht darum, wie Sie als Team besser zusammenarbeiten können, was Sie bei Mobbing tun können und wie Sie die Kompetenzen eines jeden Menschen gut nutzen und integrieren können. Es soll darum gehen, wie das eigentlich mit dem Glaubensbekenntnis unter den Kollegen ist.

Im Einsatz

Montagmorgens auf der Wache: „Und, was hast Du gestern gemacht?“ „Ich war morgens in der Kirche und hab danach beim Gemeindefest geholfen“.

Stille.

Und dann die unterschiedlichsten Reaktionen. Viele Kollegen sagen gar nichts und denken sich ihren Teil. Von einigen kommt Kopfschütteln. Einige grinsen. Einige sagen, was sie denken: „Was hast Du denn ausgefressen?“ „Hast Du nichts Besseres zu tun?“ „Willst Du heilig werden?“ „Hab ich früher auch mal gemacht“. Nur wenige trauen sich nachzufragen.

Die Gretchenfrage

Johann Wolfgang von Goethe lässt in seiner Tragödie „Faust I“ seine Figur Margarete, genannt Gretchen, dem Heinrich Faust die Frage stellen „Nun sag, wie hast du’s mit der Religion?“ Seitdem nennt man die Frage nach der Religiosität eine „Gretchenfrage“. In unserer Gesellschaft wird dieseFrage immer seltener gestellt. Viele sagen, dass Religion eine Privatsache sei und dass das keinen etwas angehe, was sie glauben oder auch nicht. Für viele ist die Frage nach dem Glauben aber auch einfach nur peinlich, und das besonders im Kollegenkreis, weil „man“ darüber nicht spricht oder Angst hat, zu bestimmten Fragen nichts sagen zu können. Nicht wenigen ist die Frage nach dem Glauben unangenehm, weil sie befürchten, für ihren Glauben ausgelacht und verspottet zu werden. Es ist nicht „in“ zu glauben. Es ist nicht „in“, Fragen zu stellen, die tiefer gehen als das, was irgendeine Zeitung als Wahrheit verkündet. Es ist nicht „in“, zu sagen, dass es doch mehr geben muss als das, was wir sehen können.

Der Auftrag der Malteser

Die Malteser haben einen wunderbaren Auftrag: Hilfe den Bedürftigen. Das ist aber nur ein Teil des Satzes. Der andere lautet: Bezeugung des Glaubens. Dazwischen steht das Wort „und“: Hilfe den Bedürftigen und Bezeugung des Glaubens. Das Erste, das Helfen, können wir prima. Mit dem Zweiten, der Bezeugung, tun wir uns schwer. Aber deshalb dürfen wir es nicht aufgeben! Wieder kann ein Blick in die lange Geschichte der Malteser helfen: Der Selige Gerhard hat nicht nur deshalb eine Gemeinschaft gestiftet, weil viele mehr Arbeit wegschaffen als einer alleine, sondern auch, weil er genau wusste ,dass wir uns gegenseitig im Glauben brauchen!

Die Malteser möchten daher von Beginn an bis heute eine Gemeinschaft der Suchenden sein, eine Gemeinschaft, die immer wieder auf Gott schaut und nach ihm fragt.

Und wir?

Was kann das für Ihren Alltag im Rettungsdienst bedeuten?

  • Sie sind ein Teil der Gemeinschaft, und Sie tragen mit Verantwortung dafür, welche Kultur im Miteinander herrscht. Was tun Sie, wenn in Ihrer Gegenwart über den Glauben gesprochen wird? Wie sind Sie dabei, wenn es darum geht, Fragen zu stellen, Zweifel zu äußern, Erfahrungen zu teilen, Ärger auszudrücken und Antworten zuhören?
  • Viele unter uns haben bereits einen Zugang zu Gott. Die sollten wir von ihren Erfahrungen im Glauben erzählen lassen und behutsam mit ihrem Zeugnis umgehen, denn wer von seinem Glauben erzählt, gibt etwas Persönliches preis.
  • Es sind oft nicht die großen, sondern die kleinen Dinge, die etwas verändern: Ein kurzes Gebet nach einem schweren Einsatz. Eine Karte mit einem Segenswunsch zum Geburtstag. Eine aus dem Glauben an Gott heraus geschriebene Kondolenzkarte.
  • Warum in diesem Bereich nicht auch mal einen Fachmann/eine Fachfrau befragen? Sprechen Sie mit Ihrem Pfarrer, fragen Sie Ihren Seelsorger (viele Gliederungen haben einen) oder vertrauen Sie sich mit Ihren Fragen einer anderen Personan.

Glauben kann man nicht in Seminaren lernen. Beten kann man nicht verordnen. Aber: Was uns Malteser im Alltag Kraft gibt, das können wir einander bezeugen. Dafür braucht es manchmal einen geschützten Ort und eine erfahrene Anleitung. Das Geistliche Zentrum bietet dazu sowohl für Einzelne als auch für Teams „Auszeiten für Retter“ an. www.malteser-geistlicheszentrum.de

Wir möchten Ihnen heute raten, neugierig zu sein auf das, was Ihnen die Kollegen über ihren Glauben erzählen können. Da öffnet sich manchmal eine ganz neue Tür, und da kann sich der Blickwinkel verändern, wenn man darüber spricht, was das Fundament des eigenen Lebens ist und welche Hoffnung das Leben prägt. Es verändert sich etwas, wenn Menschen nicht mehr nur miteinander arbeiten oder einen Dienst tun, sondern sich in einer Gemeinschaft derer wissen, die miteinander nachdem Glauben fragen und nach dem „Mehr“ suchen! Wir wünschen Ihnen viele neue, überraschende Begegnungen im Kollegenkreis!


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