In der Iwate-Präfektur sind mittlerweile 3000 Tote und fast 5000 Vermisste zu verzeichnen. Heute, genau zwei Wochen nach dem schweren Erdbeben kann man nach wie vor nicht sagen, dass sich die Lage beruhigt hat.Erst gestern abend hatten wir wieder ein Nachbeben der Stärke 4, in der Nacht 2-3 mal Nachbeben der Stärke 3. Die Kinder fragen: "Wann ist es denn endlich vorbei?" Körperlich und seelisch nimmt die Erschöpfung der Kinder wie auch der Mitarbeiter zu. Das ist auch ein Grund weshalb ich mich nun mehr auf die Situation innerhalb des Heimes konzentrieren möchte.
Die Kinder und Jugendlichen unseres Kinderheimes sind zu 50 Prozent misshandelte Kinder (körperlich,psychisch und vernachlässigt). Weitere 30 Prozent sind Kinder alleinstehender Mütter, welche psychisch krank und mit der Erziehung der Kinder überfordert sind.
Weitere sieben Prozent sind Vollwaisen, die anderen sind aus finanziell ganz schwachen Familien.
Über diesen Hintergrund hinaus darf ich dann auch noch beifügen, dass die Mitarbeiter wie folgt berechnet werden vom Land: Für sechs Kinder und Jugendliche von sechs bis 18 Jahren gibt es eine Erzieherin, für drei Kleinkinder von zwei bis sechs Jahren ebenso eine Erzieherin. Angesichts der ganzen Problematik in der Heimarbeit kommt nun noch diese schwere Erschütterung hinzu.
Viele Anfragen kommen bzgl. Adoption oder einem Aufenthalt für längere Zeit in Deutschland - wohl auch aus Sorge im Hinblick auf die Situation in Fukushima. Ich kann dazu nur sagen, dass solche Entscheidungen nur über das Jugendamt laufen und wir diesbezüglich keine Entscheidungsrechte haben. Ich bitte die vielen hilfsbereiten Menschen um Verständnis.